Qualifizierung

Homeoffice und mobile Arbeit sind höchst voraussetzungsvolle Arbeitsmodelle – nicht nur für Beschäftigte, sondern auch für Führungskräfte –, weil sie hohe Anforderungen an die sozialen, methodischen und fachlichen Kompetenzen der beteiligten betrieblichen Akteure stellen, die bei der Arbeit im Betrieb weniger stark zum Tragen kommen. Daher ist es ratsam, die Beschäftigten und Führungskräfte entsprechend zu qualifizieren.

Rechtlicher Rahmen

Qualifizierung für Homeoffice bzw. mobile Arbeit ist weder gesetzlich noch tarifvertraglich reguliert. Auch in den einschlägigen Betriebsvereinbarungen gibt es keine entsprechenden Regelungen.

Arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse und Gestaltungsansätze

Zeit- und ortsflexibles Arbeiten ist für Unternehmen und Beschäftigte nur dann ein Gewinn, wenn betroffene Beschäftigte und Führungskräfte auch über die notwendigen Kompetenzen und die erforderlichen Informationen verfügen, um bewusst mit der Situation umzugehen

(Prümper et al. 2016). Die Vermittlung der Kenntnisse und Kompetenzen muss nicht immer über die klassische Seminarform erfolgen. Auch die Nutzung alternativer Methoden wie e- Learning, die Ausgabe von Handreichungen oder die Durchführung interaktiver Workshops kann, angepasst an die jeweilige inhaltliche Ausrichtung, zielführend sein.

Die Qualifizierungsmaßnahmen sollten insbesondere personale, sozial-kommunikative, fachliche und methodische Kompetenzen und Wissensbestände fördern, die im Zusammenhang mit mobiler Arbeit bzw. Homeoffice von zentraler Bedeutung sind. Im Folgenden einige Beispiele.

Personale Kompetenzen wie

  • Eigenverantwortung
  • Selbständigkeit
  • Zuverlässigkeit
  • Flexibilität
  • Kreativität
  • Zielorientiertes Handeln

Sozial-kommunikative Kompetenzen wie

  • Kommunikationsfähigkeit
  • Schriftliche Ausdrucksfähigkeit
  • Diskussionsfähigkeit

Fachliche Kompetenzen wie

  • Führung auf Distanz / gesunde Führung
  • Gesundheits- und Sicherheitskompetenz (Fähigkeit, sich gesundheitsgerecht zu verhalten)
  • Umgang mit dem Arbeitszeitgesetz
  • Datenschutz
  • Beherrschung mobiler Technik

Methodische Kompetenzen wie

  • Zeitmanagement
  • Entscheidungsfähigkeit

Hinzu kommt die Vermittlung wichtiger Informationen wie beispielsweise die Aufklärung über den Unfallschutz im Homeoffice.

Beispiele aus der betrieblichen Praxis

Mobiles und flexibles Arbeiten setzt ein hohes Maß an eigenverantwortlichem und selbstständigem Handeln sowie Selbstdisziplin voraus. Da Beschäftigte im Rahmen der üblichen Arbeitsmodelle hierin wenig gefordert sind, gilt es zu erörtern, ob (und wenn ja: wie und in welchem Rahmen) Kompetenzaufbau hinsichtlich Selbstorganisation, Selbstmanagement und -regulierung gefördert werden und wie sowohl Arbeitgeber als auch Betriebsrat unterstützend tätig werden können. U.a. könnten z.B. Workshops zum Thema angeboten werden, deren Durchführung ggf. die Kooperation mit externen Trainer*innen und/oder Coaches erfordert.

Daher wurde im Rahmen des Projekts AKTIV-kommunal von der Personalentwicklung der Stadtwerke Heidelberg eine Weiterbildungsreihe für Führungskräfte aufgesetzt, die Führungskräfte in ihrer neuen Rolle qualifizieren und unterstützen soll. Es geht insbesondere um die Auseinandersetzung mit den Anforderungen neuer Arbeitswelten, Reflexion und Transfer der Erkenntnisse auf die eigene Führungsrolle. Weitere Informationen zum
Teilvorhaben „Digital Leadership“ finden sich auf der Projektwebseite www.aktiv-kommunal.de.

Angesichts des schnellen technologischen Fortschritts sowie u.a. demografischer Entwicklungen ist zu überlegen, ob in einem geeigneten regulatorischen Rahmenwerk ein Recht der Beschäftigten auf Weiterbildung verankert werden könnte. Mindestens könnte ein Recht auf eine (unabhängige) Berufs- und Weiterbildungsberatung eingeräumt werden.

Literaturhinweise

  • DGUV (2016): Neue Formen der Arbeit. Neue Formen der Prävention. Arbeitswelt 4.0: Chancen und Herausforderungen. Berlin. Online verfügbar unter http://publikationen.dguv.de/dguv/pdf/10002/dguv-nfda_de_barrierefrei.pdf, zuletzt geprüft am 02.05.2018.
  • Martin, Peter (2006): Mobile Büroarbeit. Neue Arbeitsformen human gestalten. Düsseldorf (Edition der Hans-Böckler-Stiftung, 158).
  • Prümper, Jochen; Becker, Matthias; Hornung, Stefanie (2016): Mobiles Arbeiten – Chance oder Risiko? In: Personalwirtschaft (8), S. 26–28.
  • Weber, Arno; Sawodny, Nina; Rundnagel, Regine (2010): Laptop Nomaden – Wege aus der Gesundheitsfalle. In: Cornelia Brandt (Hg.): Mobile Arbeit – Gute Arbeit? Arbeitsqualität und Gestaltungsansätze bei mobiler Arbeit. Berlin, S. 95–99. Online verfügbar unter http://www.onforma.net/upload/m4c8f58659bed3_verweis1.pdf#page=97, zuletzt geprüft am 03.05.2018.